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//Maria von Magdala

 

erstmal neues 3

Gerhard Heldt, MZ am 26.01.2012

 

REGENSBURG. Der „Neue Kammerchor“ der Hochschule für katholische Kirchenmusik und Musikpädagogik mit seinem Leiter Kunibert Schäfer hat sich mit der Reihe „erstmal neues“ die Pflege neuester Musik zur Aufgabe gemacht, die sonst nach der Uraufführung meist schnell in Vergessenheit gerät. Der dritte Abend der Reihe machte mit neuen und neuesten Werken bekannt, darunter drei Uraufführungen.

 

Das deutschsprachige „Credo“ aus der Messe für vierstimmigen Chor, Schola, Orgel und Bläserquartett (2000) des in Regensburg oft aufgeführten Wolfram Buchenberg eröffnete den Abend. Schola, Bläser und Orgel (auf der Bühne) und der Chor (Leitung Eva-Maria Walther) (auf der Empore) schufen interessante Raumklänge für den strengen Duktus der Gregorianischen Schola in der Mischung mit langgehaltenen dissonanten Orgelklängen und schwebenden Akkorden des Chores. Gelegentliche, in kurzen Scheinwendungen aufblitzende konsonante Aufhellungen mündeten schließlich in ein großes romantisches „Amen“. Der Regensburger Thomas Humbs fasst in seinem „Requiem für Orgel“ (UA der Bearbeitung von 2010, gespielt von Philipp Emanuel Gietl) durch beharrliche Wiederholung kleinster Partikel im engen melodischen Ambitus die Ausweglosigkeit des Menschen, dem Tod nicht entrinnen zu können, in bleiern lastende Musik. Er nutzt dazu Affekte der Barockmusik wie Seufzermotive, lange Orgelpunkte, auch ein gewaltiges Crescendo und ein ebensolches Decrescendo zurück zum Anfang. Der Lebenskreis ist geschlossen. 

 

„Dust“ (Staub) für Klavier des Amerikaners Frederic Rzewski (*1938) entstand als Auftragswerk des NDR 2003 und ist dem deutschen Pianisten Stefan Litwin gewidmet. Rzewski, hörbar an der Grenze der Klaviermusik um die Mitte des 20. Jahrhunderts operierend, macht mit aleatorischen wie seriellen Formen ebenso bekannt wie mit noch nicht verbrauchten Spielweisen, die gegen Ende der 60er Jahre ins noch Phantasievollere (John Cage: Werke für präpariertes Klavier) gesteigert werden sollten. Michael Seewann zeigte sich auf diesem heiklen Terrain klavieristischer Hochalpinistik zupackend und trittsicher. Domorganist Franz-Josef Stoiber steuerte die zweite Uraufführung des Abends bei: „Prière – Toccata, Hommage à Olivier Messiaen zum 20. Todestag“. Die Prière, in Frankreich wie in Italien (preghiera) in der Oper wie in geistlicher Musik des 19. Jahrhunderts gern als sentimentaler Ruhepunkt im dramatischen Geschehen eingesetzt, nutzte Stoiber, um mit weichen Zungenstimmen und auffälligen Mixturen über ostinatem Bass romantische französische Orgelklänge entstehen zu lassen. Die folgende Toccata glänzte mit der Pracht der jeweils nach kurzem, virtuosem Anlauf erreichten Akkorde des vollen Orgelwerks.

 

Woo-Hee Roh (Sopran), Esther Baar (Alt), der Neue Kammerchor, Franziska Weiss (Klavier), Martin Klich (Orgel), Michael Putz (Posaune) und Carlos Duque (Horn) stellten unter der Leitung von Steven Heelein eindrucksvoll die dritte Uraufführung des Abends vor: „Maria von Magdala, Biblische Szenen“ von Dorothea Hofmann. Dargestellt werden die Fußwaschung im Haus des Pharisäers, Maria Magdalenas Begegnung mit dem Auferstandenen und dessen Auftrag, die Botschaft von der Auferstehung zu verkünden. Texte aus Evangelien, Apostelbriefen, dem Hohen Lied, von Mechthild von Magdeburg und Hippolytus von Rom erfahren eindrucksvolle musikalische Interpretationen, deren stilistische Ausgestaltung vom psalmodierenden Ton bis zur dissonant geschichteten Achtstimmigkeit im Chor mit zusätzlichen Sprechpartien reicht. Orgel und Klavier symbolisieren im Wechsel die geistige und die weltliche Macht. Den ausgezeichneten Gesangssolistinnen, allen Instrumentalisten, dem Chor und seinem Leiter muss höchste Anerkennung gezollt werden.

 

 

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