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//neues aus Bayern und Böhmen

 

Ganz neue Töne machen neugierig

Gerhard Heldt, MZ

 
Das fünfte Konzert der Kirchenmusikhochschule Regensburg in der Reihe „erstmal neues“ bot drei Uraufführungen, und das Publikum kam erneut in Scharen. 

Die Reihe „erstmal neues“ an der Regensburger Hochschule für katholische Kirchenmusik und Musikpädogogik wird immer beliebter. 

 

REGENSBURG. 2010 hat die Hochschule für katholische Kirchenmusik und Musikpädagogik die Reihe „erstmal neues“ gestartet. Betreut von Prof. Kunibert Schäfer, hat sie so viele Liebhaber gefunden, dass der Konzertsaal der HfKM beinahe zu klein wurde. Erstmals waren auch Gäste aus Tschechien eingeladen. Wie gewohnt gab es eine Mischung aus älteren und jüngeren Werken des 21. Jahrhunderts. Drei der vorgestellten Werke waren Uraufführungen. Von sechs gespielten Komponisten waren vier anwesend: Enjott Schneider, aus dessen achtsätzigem Zyklus „Baumbilder. Suite für Orgel“ (UA) vier Sätze zu hören waren. Ex-Domspatz Alexander Maria Wagner (Jhg. 1995) steuerte „Einer Vorübergehenden“ aus dem Zyklus „Es weint die Nacht…“ nach Texten von Georg Trakl (2012, UA) bei. Das 3. Streichquartett von Pavel Stádník (Jhg. 1987) wurde in diesem Konzert erstmals präsentiert und von Johannes Köppl (Jhg. 1985) kam der Pfingsthymnus „Veni, Creator Spiritus“ zur Aufführung. 

 

Trauerweide und glückliche Esche
Bei den Kelten wurden jedem Baum Eigenschaften zugeschrieben. In Schneiders Zyklus steht die Birke für den schöpferischen Frühling, die Weide für Trauer, der Apfelbaum für Liebe und die Eberesche für Feingefühl und Glück. Stefan Baier ließ an der Goll-Orgel diese Gedanken und Gefühle in Tönen glaubhaft erlebbar werden.


Alexander Maria Wagner lernt bei Franz Hummel neben dem Klavierspiel auch das Handwerk des Komponierens, wobei ihm der Lehrer relativ freie Hand lässt. Seine Vertonung der „emotionalen Natursprachgewalt“ Trakls (A. M. Wagner) kleidet er in eine spätestromantische Tonsprache. Der Neue Kammerchor der Hochschule leistete hier Mustergültiges an Intonation und Textverständlichkeit.
Die dritte Uraufführung, das Streichquartett Nr. 3 von Pavel Stádník, zog sich, wie es schon bei zwei seiner Sätze für diese Besetzung zuvor war, etwas in die Länge; der junge Tscheche liebt die Minimal Music von Steve Reich, und er macht reichlich Gebrauch vom Stil dieses Vorbilds. Anhaltende Wiederholungen von musikalischen Kleinstpartikeln wirken schnell ermüdend, obschon sich der Komponist um formal klar voneinander abgegrenzte Abschnitte bemüht. Das Ancerl-Quartett aus Prag zeigte sich den hohen technischen Anforderungen ebenso souverän gewachsen wie der enormen Zählarbeit. 

 

Moderat moderne Tonsprache
Begonnen hatte das Konzert mit zwei äußerst knapp gehaltenen, den lateinischen mit einem englischen Text vermischenden Sätzen „Miserere“, „Agnus Dei“ und „Dona nobis pacem“ aus dem Zyklus „Mondi paralleli“ von Jan Jirásek, denen nach der Pause zwei ebenso aphoristische aus demselben Zyklus folgten. Köppls Version des Pfingsthymnus „Veni, Creator Spiritus“ wandelt auf bekannten Pfaden, unterstreicht mit individueller, moderat moderner Tonsprache den geistigen Gehalt des tradierten Gesangs.
Das Finale brachte den Hochschulchor, den Neuen Kammerchor mit kleinen Soli, Paul Windschüttl und Andreas Stegmüller (Trompete), Helmut Schätz und Matthias Dietz (Posaune) und Roman Emilius (Orgel) zusammen, um die „Missa brevis“ von Wolfram Buchenberg vorzustellen, ein zum Monumentalen tendierendes Werk, das aber auch nach innen gekehrte Passagen kennt. Hier wie zuvor erfreute der Neue Kammerchor mit präziser Diktion und flexibler klanglicher Gestaltung.

 

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